Methodik

VivaMap bewertet jede Schweizer Gemeinde und jedes Quartier auf einer Skala von 0 bis 10 anhand von neun Dimensionen der Lebensqualität. Alle Bewertungen basieren auf offiziellen offenen Datenquellen — keine proprietären Schätzungen, keine gewichteten Expertenmeinungen. Diese Seite beschreibt, wie die Scores berechnet werden, in welcher räumlichen Auflösung sie verfügbar sind und welche methodischen Grenzen zu beachten sind.

Die neun Dimensionen

VivaMap deckt neun Dimensionen ab, ausgewählt nach ihrer messbaren Wirkung auf den Alltag:

  • LärmBelastung durch Strassen-, Bahn- und Fluglärm nach WHO-Schwellenwerten. Quelle: BAFU sonBASE und BAZL-Lärmkataster.
  • LuftqualitätNO₂, PM10 und PM2.5 verglichen mit WHO- und LRV-Grenzwerten. Quelle: BAFU-Immissionskarten.
  • VerkehrZugang zum öffentlichen Verkehr nach Frequenz und Entfernung. Quelle: ÖV-Güteklassen des ARE.
  • Bildung & KulturNähe zu Schulen, Bibliotheken, Museen, Theatern, Spielplätzen. Quelle: OpenStreetMap.
  • Nachtleben & GastronomieDichte von Restaurants, Bars, Cafés, Pubs. Quelle: OpenStreetMap.
  • Natur & GrünflächenVegetationsbedeckung und Bebauungsoffenheit. Quellen: BFS-Arealstatistik, OSM-Gebäudegrundrisse.
  • GesundheitZugang zu Ärzten, Kliniken und Spitälern, gewichtet nach Typ. Quelle: OpenStreetMap.
  • SteuernGesamtsteuerbelastung (Ehepaar, 70/30, 125'000 CHF, 1 Kind). Quelle: ESTV-Steuerrechner 2025.
  • SonneneinstrahlungJahresglobalstrahlung unter Berücksichtigung des Reliefs. Quelle: Sonnenatlas BFE, 50-m-Raster.

Jede Dimension erhält unabhängig einen 0-10-Score. Sie können jede Dimension einzeln betrachten oder mehrere nach persönlichen Gewichten kombinieren.

Die 0-10-Skala

Für die meisten Dimensionen verwendet der Score eine perzentilbasierte Normalisierung über die gesamte Schweiz: Eine Gemeinde im 80. Perzentil erhält einen Score von 8.0, unabhängig von den absoluten Werten in dieser Dimension. Diese Normalisierung hält die Skala dimensionsübergreifend interpretierbar — eine 7 für Lärm und eine 7 für Verkehr bedeuten beide „besser als 70 % der Schweizer Gemeinden in diesem Kriterium“.

  • Lärmabsolute WHO-Schwellen: <45 dB → 10, >65 dB → 0. Eine Schwelle der öffentlichen Gesundheit bleibt aussagekräftiger als ein relatives Ranking.
  • Öffentlicher VerkehrÖV-Güteklassen des ARE (A=10, B=8, …, E=2, ausserhalb=0). Bereits offiziell kalibrierte Kategorien.
  • NaturgefahrenBAFU-Farben: weiss=10, gelb=6, blau=3, rot=0.

Für Dimensionen mit umgekehrter Bedeutung (wenig Lärm = gut, niedrige Steuern = gut) wird der Score intern invertiert, damit in der gesamten Oberfläche „10 = besser“ gilt.

Zwei räumliche Auflösungen: vom Kanton zum Quartier

Je nach Zoomstufe berechnet VivaMap die Scores in unterschiedlichen Auflösungen:

ZoomAuflösungZellenAnwendungsfall
3-10H3-Hexagone Auflösung 8 (≈0,74 km²)~66'000Kantonsweite Übersicht, Gemeindevergleich
10-12H3 Auflösung 9 (≈0,105 km²)~393'000Quartiervergleich

Die feinere Auflösung wird nicht durch Disaggregation der Gemeinde gewonnen. Jedes Hexagon wird aus den ursprünglichen räumlichen Daten neu bewertet (Lärmraster, Verkehrspunkte, Bodenbedeckungspolygone usw.). Eine stark befahrene Strasse durch eine ruhige Gemeinde hat lokal einen niedrigeren Score als der Gemeindedurchschnitt.

Datenquellen

VivaMap verwendet ausschliesslich offizielle offene Quellen:

  • BFSGemeinden, Kantone, Arealstatistik.
  • BAFULärmkarten, Schadstoffimmissionen, Naturgefahren.
  • AREÖV-Güteklassen, Agglomerationen.
  • BFESolarpotenzialatlas.
  • ESTVKantonaler Steuerrechner.
  • swisstopoKartengrundlage, Höhenmodell, Gebäuderegister.
  • OpenStreetMapPoints of Interest (Gesundheit, Bildung, Gastronomie).

Die Seite Datenquellen führt jede Quelle mit Lizenz, Aktualisierungstakt und direktem Link zum offiziellen Portal auf.

Profile oder persönliche Gewichte

Die Oberfläche bietet zwei Modi:

  • FamilieBildung und Ruhe haben Vorrang.
  • Junge BerufstätigeVerkehr und Gastronomie.
  • RuhestandRuhe, Natur, Gesundheit, Sonne.
  • NaturLuft, Ruhe, Grünflächen maximal.

Die Schaltfläche „Meine Kriterien“ gibt vollständige Kontrolle über die neun Schieberegler. Jeder kombinierte Score ist ein gewichtetes Mittel der neun Einzelscores.

Methodische Grenzen

Einige Vorbehalte:

  • OpenStreetMap ist nicht erschöpfend. Ländliche Gebiete sind manchmal weniger gut kartiert als Agglomerationen, was die POI-Dichte in einigen Tälern unterschätzen kann.
  • Die Steuerbewertung spiegelt nur ein Referenzprofil (Ehepaar, 125'000 CHF, 1 Kind). Für eine alleinstehende Person mit 80'000 CHF oder einen wohlhabenden Rentner ändert sich die relative Reihenfolge der Gemeinden.
  • Sonneneinstrahlung ist ein Jahreswert. Ein eingeschnittenes Tal kann im Sommer sehr sonnig und im Winter im Schatten liegen — der Jahresdurchschnitt verbirgt diese Variation.
  • Die Scores sind schweizweit relativ. Eine 5 in Luftqualität ist nicht „mittelmässig“ im absoluten Sinn, sondern „mittelmässig für die Schweiz“, die international zu den am besten bewerteten Ländern zählt.
  • Privatdienste, die nicht in OpenStreetMap erfasst sind (Privatärzte, Privatschulen), werden nicht gezählt: der Score kann das tatsächliche Angebot in manchen Quartieren unterschätzen.

Aktualisierungstakt

Die Scores werden bei jeder grösseren Aktualisierung einer Quelle neu berechnet: jährlich für die meisten (Arealstatistik, ESTV-Steuern, ÖV-Güteklassen), vierteljährlich für OpenStreetMap.

Daten: BFS, geo.admin.ch, OSM — Scores normalisiert 0-10