Natur & Grünflächen bewertet die Verfügbarkeit und Qualität der entsprechenden Einrichtungen und Dienstleistungen in jeder Schweizer Gemeinde.
Kategorien: green_spaces (60%), building_openness (40%)
Ein hoher Score bei Natur & Grünflächen bedeutet eine grüne Umgebung mit vielen zugänglichen Grünflächen. Ein niedriger Score hingegen weist auf ein stärker urbanisiertes Umfeld mit weniger Grünflächen hin. Dieses Kriterium wird anhand offizieller Schweizer Daten (BFS, geo.admin.ch) und offener Daten (OpenStreetMap) gemessen.
Das Kriterium Natur & Grünflächen ist besonders wichtig für Naturliebhaber (Gewicht: 100%) und Rentner (95%). junge Berufstätige legen weniger Wert darauf (30%) und priorisieren andere Kriterien.
Das Kriterium Natur & Grünflächen vereint zwei komplementäre Signale. Einerseits die Vegetationsbedeckung aus der Arealstatistik des BFS — Parks, Wälder, Wiesen, Obstgärten und Landwirtschaftsflächen — die rund 60 % des Scores ausmacht. Andererseits die bauliche Offenheit (40 %), berechnet anhand von OSM-Gebäudefootprints: Sie spiegelt die Durchlässigkeit des Siedlungsraums wider — begrünte Parzellen, geringe Bebauungsdichte, freie Sichtachsen. Ein hoher Score signalisiert sowohl ein grünes als auch ein luftiges, wenig verdichtetes Umfeld. Die Gewichtungsdetails sind auf der Methodik-Seite beschrieben.
Die Schweiz verfügt über ein aussergewöhnliches Grünkapital. Der Wald bedeckt rund 32 % der Landesfläche und wächst jährlich dank landwirtschaftlicher Aufgabe und Aufforstungspolitik. Der Naturzugang — 65 000 km markierte Wanderwege, 1 500 km Seeufer, Alpen und Alpentäler — wird durch ein im Bundesrecht und in der Alltagskultur tief verankertes freies Wegerecht gesichert. VivaMap erfasst sowohl diese direkte Nähe als auch die Qualität der umgebenden bebauten Gestaltung.
Dieses Kriterium korreliert besonders eng mit mehreren Indikatoren der Alltagslebensqualität: Begehbarkeit, die Möglichkeit zu joggen oder mit einem Kind spazieren zu gehen, ohne Hauptstrassen zu überqueren, sowie thermische Entlastung bei sommerlichen Hitzewellen — ein Vorteil, der im Kontext der Klimaerwärmung zunehmend an Wert gewinnt. Gut bewertete Gemeinden verbinden typischerweise einen Waldrand in weniger als 500 m, ein aufgelockertes Wohngebiet und mindestens einen zugänglichen Quartierpark.
Es ist wichtig, zwei Typen von Bestbewertungen zu unterscheiden. Erstere sind grüne Vorortsgemeinden (Küsnacht, Cologny, Chêne-Bougeries), wo Vegetation und städtische Erreichbarkeit koexistieren. Letztere sind ländliche oder alpine Gemeinden (Grindelwald, Zermatt, Laax), wo der Score eine vollständige Natureinbettung widerspiegelt, aber auf anderen Dimensionen (Transport, Gastronomie, Gesundheit) Schwächen aufweist. Die VivaMap-Karte erlaubt, diese Profile durch Dimensionsvergleich zu unterscheiden.
Der Natur-Score erfasst weder private Grünflächen noch Innenhofgärten. Er misst die Erreichbarkeit öffentlicher Natur vom Hexagonmittelpunkt aus. Eine Gemeinde mit vielen Privatgärten, aber wenig öffentlichem Grün, kann daher einen bescheidenen Score aufweisen, obwohl der Eindruck beim Durchwandern der Strassen grün wirkt.
In der Praxis empfiehlt es sich, den Natur-Score mit dem Profil des spezifischen Hexagons auf der interaktiven Karte zu kombinieren. Eine Gemeinde mit einem Score von 6/10 kann stark heterogen sein: Ein Hexagon am Waldrand bewertet mit 8/10, ein Hexagon an der Kantonsstrasse mit 3/10. Diese Varianz ist für die Wohnortwahl innerhalb einer Gemeinde entscheidender als der Gemeindemittelwert.
Mit 32 % Waldfläche und garantiertem Zugang zu Naturräumen liegt die Schweiz leicht unter dem europäischen Durchschnitt bei der Bewaldung (~39 %), aber deutlich darüber bei öffentlicher Zugänglichkeit und Qualität der gepflegten Wege. Das freie Betretungsrecht ist grosszügiger als in Deutschland (Betreten gesichert, aber mit Einschränkungen im Privatwald) oder in Frankreich (freier Zugang zu Staatswäldern, Privatwälder restriktiver). Die Niederlande kompensieren ihre geringe Waldfläche (11 %) durch ein hochwertiges Netz städtischer und vorstädtischer Parks sowie öffentlich zugängliche Nationale Parken.
Bei offenen Daten ist die Schweizer Arealstatistik (BFS) eine methodologische Referenz für die Bodennutzungskartierung auf Gemeindeebene — vergleichbar mit der europäischen CORINE Land Cover, aber mit feinerer Auflösung (100 m² vs. 25 ha). Deutschland produziert ähnliche ATKIS-Daten über die AdV. Frankreich verfügt über die Forstinventur (IFN) und das geographische Referenzwerk BD TOPO. Die Niederlande veröffentlichen Bodenbedeckungsdaten über CBS und PDOK. Was Granularität und Verwertbarkeit für kommunale Berechnungen betrifft, gehören die Schweizer Daten zu den am besten nutzbaren in Europa.
Die Nähe zu Grünflächen übt einen gut belegten hedonischen Aufpreis auf europäischen und schweizerischen Immobilienmärkten aus. Studien der ETH Zürich zu den Immobilienmärkten der Agglomerationen Zürich, Bern und Genf schätzen eine Wertsteigerung von 5 bis 12 % für Wohnungen in weniger als 400 m Entfernung von einem grossen Stadtpark oder einem Waldrand, unter sonst gleichen Bedingungen. Bei einer Wohnung für CHF 700 000 in der grünen Zürcher Agglomeration (Küsnacht, Männedorf, Erlenbach) entspricht dieser Aufpreis CHF 35 000 bis 85 000 gegenüber einer vergleichbaren Wohnung in dicht bebautem Stadtgebiet ohne unmittelbaren Grünzugang.
Der thermische Effekt von Vegetation gewinnt in Immobilienbewertungen an Bedeutung, da Hitzewellen häufiger werden. Eine baumbestandene Strasse kann die Oberflächentemperatur im Sommer um 3 bis 8 °C senken, was den Klimatisierungsbedarf reduziert und den Komfort nicht klimatisierter Wohnungen verbessert — ein direktes finanzielles Argument, das Käufern zunehmend bewusst wird. In der Schweiz werden Immobilien mit privatem Garten in Gemeinden mit hohem Natur-Score im Durchschnitt 8 bis 15 % über dem Preis vergleichbarer Objekte ohne Garten gehandelt — eine Differenz, die mit aufeinanderfolgenden Hitzesommern wächst.
Auf der VivaMap-Skala von 0–10 lässt sich der Natur-&-Grünflächen-Score so lesen:
Der Natur-Score ist mit dem Lärm- und Transport-Score zu kreuzen: Die beste Kombination ist in der Regel eine Gemeinde mit 6–7/10 Natur, 6–7/10 Transport und 6–7/10 Lärm — das Mehrkriterien-Optimum für die meisten schweizerischen Wohnprofile.
Daten: BFS, geo.admin.ch, OSM — Scores normalisiert 0-10