Luftqualität misst Faktoren, bei denen ein niedriger Wert besser ist. Die Bewertung wird invertiert: Gemeinden mit weniger luftqualität erhalten eine höhere Punktzahl.
Kategorien: air_quality (100%)
Ein hoher Score bei Luftqualität bedeutet saubere Luft mit niedrigen Schadstoffkonzentrationen. Ein niedriger Score hingegen weist auf eine durch Verkehrsemissionen belastete Luftqualität hin. Dieses Kriterium wird anhand offizieller Schweizer Daten (BFS, geo.admin.ch) und offener Daten (OpenStreetMap) gemessen.
Das Kriterium Luftqualität ist besonders wichtig für Naturliebhaber (Gewicht: 95%) und Rentner (90%). junge Berufstätige legen weniger Wert darauf (40%) und priorisieren andere Kriterien.
Die Luftqualität vereint mehrere Schadstoffe, deren gesundheitliche Folgen heute gut belegt sind: Stickstoffdioxid (NO₂) aus dem Strassenverkehr, Feinstaub PM2.5 und PM10 aus Verbrennung, Verkehr und Holz- oder Ölheizungen sowie bodennahes Ozon in den Sommermonaten. In der Schweiz bündelt das nationale Messnetz NABEL des BAFU diese Messungen kontinuierlich seit 1979 auf 16 festen Stationen und liefert hochauflösende interpolierte Jahresimmissionskarten, auf denen der VivaMap-Score basiert. Die verwendeten Datensätze und ihre Kombinationsweise sind auf der Methodik-Seite beschrieben.
Die Referenzwerte haben sich grundlegend verändert. Seit 2021 empfiehlt die WHO Jahresobergrenzen von 10 µg/m³ für NO₂ und 5 µg/m³ für PM2.5 — zwei bis vier Mal strenger als die früheren Normen. Die Schweiz hat ihre Luftreinhalteverordnung (LRV) 2023 entsprechend angepasst und zählt damit zu den strengsten Regelwerken Europas. Ein hoher Score bedeutet reinere Luft und laut BAG bis zu zwei zusätzliche Lebensjahre im Vergleich zu den auf dem Mittelland beobachteten Konzentrationen.
Die innerschweizerischen Unterschiede sind erheblich. Das dicht besiedelte Mittelland — Bogen Genf–Zürich–Basel — konzentriert Verkehrs-, Heizungs- und Industrieemissionen. Voralpen und Alpen profitieren oft von Luft, die die neuen WHO-Grenzwerte einhält. Zwei Ausnahmen verdienen besondere Beachtung: die Magadinoebene (TI) und das Walliser Rhônetal, wo herbstliche und winterliche Inversionswetterlagen lokal emittierte Partikel einschliessen und die PM10-Tagesgrenzwerte von 50 µg/m³ teils dutzende Male pro Jahr überschreiten können.
Luftverschmutzung ist innerhalb einer Gemeinde nicht homogen verteilt. Dasselbe Dorf kann ein von einer Kantonsstrasse durchschnittenes Zentrum mit erhöhten NO₂-Werten aufweisen, während die Wohnquartiere 300 Meter entfernt unter den Grenzwerten bleiben. Der VivaMap-Score aggregiert subkommunale Hexagonwerte, doch die interaktive Karte ermöglicht die Visualisierung dieser Nuancen auf Quartiersebene — besonders nützlich beim Vergleich einzelner Strassenzüge oder Siedlungsteile.
Die häusliche Lüftung spielt eine wachsende Rolle in der persönlichen Strategie. In Gemeinden des Mittellandes oder in Tallagen können Luftreiniger mit HEPA-Filter die Innenraumbelastung durch PM2.5 um 50 bis 80 % reduzieren. Diese Geräte kosten zwischen CHF 200 und CHF 800 je nach Raumgrösse — eine bescheidene Investition im Vergleich zu den Mehrkosten einer Wohnlage in einer Frischluftzone, die bei einer Standardwohnung deutlich über CHF 50 000 liegen können. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis fällt in der Regel klar zugunsten der besseren Wohnlage aus, sobald das Budget und die Verfügbarkeit dies erlauben.
Die Schweiz weist eine der besten Luftqualitäten Westeuropas auf. Die mittleren PM2.5-Konzentrationen (rund 8 µg/m³ im Landesdurchschnitt) sind mit Skandinavien vergleichbar und deutlich niedriger als in Norditalien (Poebene: 15–20 µg/m³ Jahresmittel), Polen oder auf dem Balkan. Die städtischen Zentren der Schweiz bewegen sich bei NO₂ jedoch auf dem Niveau von München oder Wien — ein Zeichen dafür, dass die Dichte des Stadtverkehrs und der Heizungen zwischen vergleichbaren europäischen Agglomerationen eine gewisse Konvergenz erzeugt, unabhängig vom nationalen Regelungsrahmen.
Was offene Daten betrifft, gelten die Niederlande als europäische Referenz: Der Wetterdienst KNMI veröffentlicht täglich aktualisierte Konzentrationskarten mit 1-km-Auflösung für alle WHO-Schadstoffe. Belgien sticht ebenfalls hervor: IRCEL-CELINE stellt nationale Raster als kontinuierliche Open Data bereit — ausserhalb Skandinaviens ein seltenes Angebot. Deutschland publiziert über das Umweltbundesamt jährliche 1-km-Raster, jedoch mit zwei Jahren Verzögerung. Frankreich hat die Granularität seiner Prev'Air-Karten seit 2022 erheblich verbessert, ohne die Schweizer Auflösung zu erreichen. In diesem Kontext bleibt das nationale Schweizer Messnetz eines der dichtesten und am besten dokumentierten Europas, mit historischen Daten über 45 Jahre.
Die Luftqualität beeinflusst Immobilienwerte messbar, auch wenn der Effekt in Schweizer Inseraten weniger sichtbar ist als auf angloamerikanischen Märkten. Hedonische Analysen konvergieren bei einer Wertminderung von 0,3 bis 0,8 % des Kaufpreises pro µg/m³ PM2.5 jährlich über 10 µg/m³. Bei einer Wohnung für CHF 750 000 in einer Zone mit 15 µg/m³ — also 5 µg/m³ über dem WHO-Schwellenwert — beträgt der theoretische Abschlag CHF 11 000 bis CHF 30 000, ein Betrag, der selten explizit ausgewiesen, aber statistisch in kantonalen Transaktionsdaten nachweisbar ist.
Der Effekt verstärkt sich für Haushalte mit Kleinkindern oder Personen mit Atemwegserkrankungen, für die der Wert sauberer Luft weit über dem aktuarischen Durchschnitt liegt. Mehrere Studien der ETH Zürich zu Immobilienmärkten im Mittelland und am Genfersee bestätigen, dass die gesamte Umweltqualität — Luft und Lärm zusammen — 5 bis 12 % des Preisunterschieds zwischen einer Mittellandgemeinde und einer voralpin gelegenen Gemeinde ähnlicher Grösse erklärt. Die Abwägung zwischen Luftqualität und Arbeitsplatznähe gehört zu den fundamentalen Spannungsfeldern der Wohnstandortwahl in der Deutsch- und Westschweiz. VivaMap macht diese Spannung sichtbar: ein tiefer Air-Score in einer sonst gut erschlossenen Gemeinde ist ein konkreter Verhandlungshinweis.
Auf der VivaMap-Skala von 0–10 lässt sich der Luftqualitäts-Score so lesen:
Eine Gemeinde kann einen mittleren Score aufweisen, nicht weil die gesamte Gemeinde belastet ist, sondern weil einige Hexagone entlang einer Hauptstrasse den Gemeindemittelwert senken. Die interaktive Karte erlaubt es, diese Mikrozonen vor einer Entscheidung zu identifizieren.
Daten: BFS, geo.admin.ch, OSM — Scores normalisiert 0-10